Sarah J. Maas

Klicke auf das Cover und du kommst zur Rezension

»Das Reich der sieben Höfe 1 - Dornen und Rosen« von Sarah. J. Maas

Titel:

»Das Reich der sieben Höfe 1 – Dornen und Rosen«

Autor:

Sarah J. Maas

Genre:

Elfen & Feen

Seitenanzahl:

465 Seiten

Erzählperspektive:

Ich-Perspektive, Vergangenheit

Stimmung im Buch:

bedrohlich, brutal, voller Hilflosigkeit

Charaktere:

Feyre

Mensch, 19-jährige Jägerin, die ihre Familie ernährt

Tamlin

High-Fae, High Lord des Frühlingshofes

Lucien

Botschafter des High Lords vom Frühlingshof

Meine Lieblingscharaktere:

Tamlin, der versucht, anders zu sein als die anderen menschenverachtenden Fae.

Das hat mir besonders gefallen:

Dass im Laufe des Buches immer deutlicher wird, wie viel Liebe Feyre in ihrem Herzen spürt und dass Tamlin in der Lage ist, diese Liebe und Loyalität zu erkennen.

Diese Gefühle hat das Buch in mir geweckt:

Ich habe Rotz und Wasser geheult, als Tamlin versucht, dem fremden Fae das Leben zu retten und Feyre ihm dabei hilft. Im zweiten Teil des Buches wird es dann sehr düster. Hier zelebriert die Autorin die hilflose Wut der Unterdrückten und Gequälten.

Kritik:

Zu Beginn braucht die Geschichte einige Zeit, bis sie sich warmläuft, aber dann wird es spannend.

Das kann ich zum Schreibstil sagen:

Sehr angenehm zu lesen

Meine Bewertung:

Ein Leben für ein Leben

Auf der Jagd begegnet Feyre einem riesigen Wolf, der dieselbe Hirschkuh ins Visier genommen hat, wie sie. Nun gilt es: Er oder sie. Feyre tötet den Wolf. Eine Tat, die sie teuer bezahlen soll, denn der Wolf war ein Fae. Sie muss ihr Leben für seines geben und für immer im Land der Fae bleiben. Dunkle Wolken ziehen jedoch längst über dieses Land, Unheil, das sich früher oder später auch über die Welt der Sterbenden ergießen wird. Wie soll ein schwacher Mensch es nur aufhalten?

Zitat aus dem Buch:

Ich schnappte mir ein zweites Messer vom Tisch. Etwas anderes blieb mir nicht übrig, bis ich an meinen Köcher herankam. »Raus hier!«, fuhr ich den Fae an und streckte ihm beide Messer entgegen. Kein Eisen in Sicht, das ich als Waffe hätte benutzen können, es sei denn, ich bewarf ihn mit den Armbändern meiner Schwestern. »Raus hier, und komm ja nicht wieder.« Meine Worte waren scharf, obwohl mir die Knie zitterten und ich die Messer kaum noch festhalten konnte. Ein Nagel, ich würde sogar einen verdammten Eisennagel nehmen, wenn ich einen hätte.
Als Antwort brüllte er mich an, dass die ganze Hütte bebte. Die Teller und Tassen im Schrank klapperten, als gäbe es kein Morgen mehr. Doch in diesem Moment bot er mir seinen Hals als Ziel dar. Ich war zwar eine schlechte Messerwerferin, aber ich versuchte es trotzdem.
Mit einer schnellen Bewegung – so schnell, dass ich es kaum sehen konnte – schlug er mit einer Tatze nach dem Messer und fegte es noch in der Luft beiseite, ehe er mit seinen Reißzähnen nach meinem Gesicht schnappte.
Ich machte einen Satz rückwärts und wäre dabei beinahe über meinen knienden Vater gestolpert. Der Fae hätte mich töten können – doch der Angriff war nur eine Warnung gewesen. Nesta und Elain beteten weinend zu irgendwelchen längst vergessenen Göttern, in der Hoffnung, dass sie sich noch irgendwo in der Gegend herumtrieben.
»WER HAT IHN GETÖTET?« Das Wesen stapfte auf uns zu. Es stützte eine Tatze auf den Tisch, der unter seinem Gewicht ächzte. Seine Krallen bohrten sich knirschend eine nach der anderen in das Holz.
Ich traute mich erneut einen Schritt vor, während das Biest seine Schnauze über den Tisch streckte und in unsere Richtung schnupperte. Seine Augen waren grün, mit goldenen Flecken gesprenkelt. Keine Tieraugen, weder der Form noch der Farbe nach. Meine Stimme war überraschend ruhig, als ich die Herausforderung annahm: »Wen getötet?«
Sein Knurren ließ jedes Raubtier, das ich je erlebt hatte, wie ein Schmusekätzchen wirken. »Den Wolf«, sagte er. Mein Herz setzte einen Schlag aus. Das Brüllen war vorbei, der Zorn blieb. Zorn, versetzt mit einer Spur von Trauer.
Elains Heulen schraubte sich zu einem schrillen Kreischen empor. Ich hob das Kinn. »Einen Wolf?«
»Einen großen Wolf mit grauem Fell«, gab er knurrend zurück. Würde er merken, wenn ich ihn anlog? Fae konnten nicht lügen, das wusste jedes Kind. Aber vielleicht konnten sie die Lüge auf den Zungen der Menschen riechen? Wir hatten keine Chance, durch Kampf aus dieser Lage herauszukommen, es musste doch noch eine andere Möglichkeit geben.

Das Buch bei Amazon:

Hier findet ihr die Autorin im Netz.

Verpasse keine neue Rezension, melde dich hier zum Newsletter “Götterfunkeln” an.

»Das Reich der sieben Höfe 2 - Flammen und Finsternis« von Sarah. J. Maas

Titel:

»Das Reich der sieben Höfe 2 – Flammen und Finsternis«

Autor:

Sarah J. Maas

Genre:

Elfen & Feen

Seitenanzahl:

697 Seiten

Erzählperspektive:

Ich-Perspektive, Vergangenheit

Stimmung im Buch:

bedrohlich, brutal, voller Hilflosigkeit

Charaktere:

Feyre

neuerschaffene High-Fae

Tamlin

High-Fae, High Lord des Frühlingshofes

Rhysand

HighLord des Hofes der Nacht

Meine Lieblingscharaktere:

Rhysand, der so unendlich viel Geduld und Verständnis für Feyre aufbringt.

Das hat mir besonders gefallen:

Der innere Kreis rund um Rhysand.

Diese Gefühle hat das Buch in mir geweckt:

Ich habe mir gewünscht, dass Rhys und Feyre endlich zusammenfinden. Ich war schockiert über das, was sie ihm an den Kopf geworfen hat, als er sich ihr geöffnet hat. Ihren Zorn konnte ich nicht wirklich nachvollziehen. Ich ärgerte mich, dass sie meinte, sie könne über Rhys zu Gericht sitzen und seine Taten bewerten.

Das kann ich zum Schreibstil sagen:

Armentrout benutzt so wunderschön klingende Namen. »Buch des Atems«, »Knochenschnitzer«, »den Wind teilen«, die »Nacht der fallenden Sterne«, »Stadt des Sternenlichts«, »Hof der Albträume«. Schon allein deshalb lohnt sich das Buch 🙂

Meine Bewertung:

Erdrückende Liebe

Eigentlich müsste Feyre zufrieden sein. Sie hat die Schreckenszeit unter dem Berg überstanden und ist glücklich mit ihrem Tamlin vereint. Doch die Folter wirkt nach, beschert ihr die schlimmsten Albträume und verwandelt den Highlord des Frühlingshofes in einen überbehütenden Mann. Bald bleibt ihr keine Luft mehr zum Atmen. Rhysand und der Hof der Nacht scheint ihr einziger Zufluchtsort zu sein, so sehr sie den dunklen Lord auch ablehnt.

Zitat aus dem Buch:

»Mach, dass du wegkommst«, knurrte Tamlin und stapfte auf uns zu. Spitze Krallen funkelten an seinen Fingerknöcheln.
Wieder schnalzte Rhys mit der Zunge. »Tja, das geht leider nicht. Ich muss doch die Vereinbarung mit unserer lieben Feyre einlösen.«
Unter meinen Füßen tat sich der Boden auf. Nein … nein. Nicht jetzt.
»Du weißt doch, was passiert, wenn du diese Vereinbarung zu brechen versuchst.« Rhys hatte sich direkt an Tamlin gewandt und lachte jetzt kichernd, weil immer noch Gäste über ihre eigenen Füße stolperten in dem Bemühen, schnellstmöglich von hier wegzukommen. Er drehte sich zu mir um. »Ich habe dir drei Monate Zeit gelassen. Du könntest dich wenigstens freuen, mich wiederzusehen.«
Ich zitterte viel zu sehr, als dass ich etwas hätte erwidern können. In Rhys’ Augen trat ein Ausdruck von Verachtung.
Als er sich wieder an Tamlin wandte, war dieser Ausdruck verschwunden. »Ich nehme sie jetzt mit.«
»Wag es ja nicht«, fauchte Tamlin. Unter dem Baldachin hinter ihm war es leer. Ianthe war verschwunden und mit ihr fast das ganze Gefolge des Frühlingshofs.
»Hab ich euch etwa unterbrochen? Ich dachte, es wäre vorbei.« Rhys schenkte mir ein tückisches Lächeln. Durch das Band zwischen uns – was für eine Magie das auch immer sein mochte – wusste er genau, dass meine Antwort »Nein« gelautet hätte. »Zumindest Feyre schien das zu glauben.«
Tamlin knurrte. »Lass uns die Zeremonie zu Ende bringen.«
»Ohne deine Hohepriesterin?«, sagte Rhys höhnisch.
Erstaunt warf Tamlin einen Blick über die Schulter auf den verwaisten Altar. Als er sich wieder zu uns umdrehte, verschwanden die spitzen Krallen allmählich in seiner Hand. »Rhysand …«
»Ich bin nicht zum Feilschen aufgelegt«, sagte Rhys, »obwohl ich vermutlich sogar noch einen Vorteil für mich herausholen könnte.« Ich zuckte zusammen, als er sanft meinen Ellbogen ergriff. »Gehen wir.«
Ich rührte mich nicht.
»Tamlin«, hauchte ich.
Tamlin machte einen Schritt auf mich zu. Sein goldenes Gesicht war aschfahl geworden, aber er schaute nicht mich an. Seine ganze Aufmerksamkeit galt Rhysand. »Nenne mir deinen Preis.«
»Gib dir keine Mühe«, grinste Rhys und hakte sich bei mir unter. Jede Stelle meines Körpers, die er berührte, erfüllte mich mit Abscheu.
Er würde mich an den Hof der Nacht bringen, an jenen Ort, der Amarantha angeblich zu ihrem Reich unter dem Berg inspiriert hatte, ein Ort voll Grausamkeit, Folter und Tod …
»Tamlin, bitte.«
»Oh, jetzt mach doch nicht so ein Drama daraus«, sagte Rhysand und zog mich näher an sich.
Aber Tamlin rührte sich nicht. Und die Krallen blieben eingezogen. Nichts war zu sehen, nur glatte Haut. Er fixierte Rhysand und fletschte die Zähne. »Wenn du ihr auch nur ein Haar krümmst …«
»Ich weiß, ich weiß.« Rhysand winkte ab. »In einer Woche bringe ich sie wieder.«
Nein. Nein! So etwas durfte Tamlin doch nicht sagen. Das bedeutete ja, dass … dass er mich gehen ließ! Selbst Lucien starrte Tamlin schockiert und mit offenem Mund an.
Rhys löste seinen Arm aus meinem und umfasste meine Taille. Dann drückte er mich an sich und flüsterte mir ins Ohr: »Halt dich fest.«
Dunkelheit brauste auf, ein Wind riss mich hierhin und dorthin, der Boden sackte unter meinen Füßen weg, die Welt um mich herum verschwand. Nur Rhys blieb, wo er war, und ich hasste ihn, als ich mich an ihn klammerte, hasste ihn aus tiefstem Herzen.

Das Buch bei Amazon:

Hier findet ihr die Autorin im Netz.

Verpasse keine neue Rezension, melde dich hier zum Newsletter “Götterfunkeln” an.

»Das Reich der sieben Höfe 3 - Sterne und Schwerter« von Sarah. J. Maas

Titel:

»Das Reich der sieben Höfe 3 – Sterne und Schwerter«

Autor:

Sarah J. Maas

Genre:

Elfen & Feen

Seitenanzahl:

737 Seiten

Erzählperspektive:

Ich-Perspektive, Vergangenheit

Stimmung im Buch:

voll unterdrückter Wut

Charaktere:

Feyre

HighLady vom Hof der Nacht

Rhysand

HighLord des Hofes der Nacht

Lucien

Fürstensohn vom Herbsthof

Meine Lieblingscharaktere:

Rhysand, dessen Liebe den anderen Raum gibt, sich zu entfalten.

Das hat mir besonders gefallen:

Die Überraschung, dass sich Verbündete als Verräter herausstellten und Verräter als Verbündete. Die Dramatik der letzten Schlacht war überwältigend.

Diese Gefühle hat das Buch in mir geweckt:

Ich habe Rotz und Wasser geheult.

Das kann ich zum Schreibstil sagen:

Mitreißend! Wobei man bei den vielen Personen, die zusammen in einer Szene agieren, immer aufpassen musste, wer denn nun gerade wo ist und was macht. So muss man schon ein gewisses Maß an Konzentration aufbringen, wenn man nichts verpassen will.

Meine Bewertung:

Auf der Suche nach neuen Bündnissen

Die Bedrohung durch Hypern kommt immer näher. Und nun, da Tamlin sich mit dem Feind verbündet hat, um Feyre zurückzubekommen, ist alles noch viel schlimmer geworden. So geht Feyre ein gefährliches Doppelspiel ein und kehrt an Tamlins Hof zurück, um die Pläne des Feindes auszuspionieren. Bald weiß niemand mehr, wer Freund und wer Feind ist.

Zitat aus dem Buch:

Ohne ein Wort zu sagen, wusch Elain sein Gesicht, kämmte sein Haar und seinen Bart und richtete seine Kleidung. Sie hatte irgendwo Blumen gepflückt und legte sie ihm auf den Kopf und die Brust.
Schweigend schauten wir ihn an.
»Ich liebe dich«, sagte Elain mit zitternder Stimme.
Nesta schwieg und der Ausdruck auf ihrem Gesicht verriet nichts. In ihren Augen lagen Schatten. Ich hatte ihnen nicht erzählt, dass ich alles miterlebt hatte.
»Sollen wir … ein Gebet sprechen?«, fragte Elain flüsternd.
So etwas gab es nicht in der Welt der Sterblichen. Meine Schwestern kannten keine Gebete. Aber hier in Prythian …
»Die Mutter halte dich«, flüsterte ich. Diese Worte hatte ich seit den Tagen unter dem Berg nicht mehr gehört. »Tritt durch das Tor in das ewige Land, wo Milch und Honig fließen.« Flammen züngelten an meinen Fingerspitzen. Ich legte all meine Magie und all meine Liebe in dieses Feuer. »Fürchte kein Übel. Keinen Schmerz.« Meine Lippen zitterten. »Gehe ein in die Ewigkeit.«
Tränen flossen Elain über die bleichen Wangen, und mit sanften Händen richtete sie eine zarte weiße Blüte auf der Brust unseres Vaters, die herabgerutscht war. Dann stellte sie sich neben mich und nickte mir zu.
Nestas Gesicht zeigte keinerlei Regung, als ich mit meinem Feuer den Leichnam unseres Vaters entzündete. Und innerhalb einer Sekunde wehte ein Wind seine Asche davon.
Wir starrten noch lange den verbrannten Fleck auf der Erde an, während die Sonne über uns ihre Bahn zog.

Das Buch bei Amazon:

Hier findet ihr die Autorin im Netz.

Verpasse keine neue Rezension, melde dich hier zum Newsletter “Götterfunkeln” an.

»Das Reich der sieben Höfe 4 - Frost und Mondlicht« von Sarah. J. Maas

Titel:

»Das Reich der sieben Höfe 4 – Frost und Mondlicht«

Autor:

Sarah J. Maas

Genre:

Elfen & Feen

Seitenanzahl:

292 Seiten

Erzählperspektive:

Rhysand und Feyre berichten in Ich-Perspektive, die anderen in dritter Person Vergangenheit

Stimmung im Buch:

Ins Leben zurücktasten nach dem Kampf. Besinnung nach dem großen Krieg.

Charaktere:

Feyre

HighLady vom Hof der Nacht

Rhysand

HighLord des Hofes der Nacht

Cassian

Oberster der Armee

Azriel

Geheimspion

Meine Lieblingscharaktere:

Rhysand, der so dankbar ist für das, was ihm geschenkt wurde.

Azriel, der Elain gegenüber so aufmerksam und zurückhaltend ist.

Das hat mir besonders gefallen:

Die Szene mit der Weberin, die jenen besonderen Vlaid erschaffen hat. Dazu der Vorausblick auf den fünften Band, in dem es dann um Cassian und Nesta gehen soll.

Diese Gefühle hat das Buch in mir geweckt:

Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass die Geschichte endlich anfängt.

Kritik:

Das Buch hat kein Thema, es ist ein einziges langwieriges Nachspiel des vorhergehenden Bandes. Die Autorin erzählt, wie die einzelnen Personen mit dem Krieg fertig werden und was sie danach tun. Es ist keine wirkliche Geschichte, nur eben ein Nachklang.

Das kann ich zum Schreibstil sagen:

angenehm zu lesen

Meine Bewertung:

Taste dich ins Leben zurück!

An keinem der Kämpfer ist die große Schlacht gegen Hybern spurlos verbeigegangen. Während der innere Kreis um Rhysand versucht wieder zu sich zu finden, wachsen die Unruhen im Land. Nach dem Fall der Mauer schielt so mancher Fae ins Land der Menschen und überlegt, ob er sich dort nicht etwas holen kann, was ihm nicht zusteht.

Zitat aus dem Buch:

»Ich habe eine Frage zu dem Wandbehang mit den Insignien«, antwortete ich. »Dieser schwarze Stoff – was ist das?«
»Das werde ich mindestens einmal in der Stunde gefragt«, erwiderte die Weberin mit dem gleichen Lächeln, das sich noch immer nicht in ihren Augen widerspiegelte.
Es war mir ein bisschen peinlich. »Oh, das tut mir leid, dass ich Euch auch damit störe.« In dem Moment kam Elain hinzu, mit einer flauschigen rosa Decke in der einen und einer violetten in der anderen Hand.
Die Weberin tat meine Entschuldigung mit einer Geste ab. »Bei einem so ungewöhnlichen Stoff ist mit Fragen zu rechnen.« Sie ließ die Hand über den Holzrahmen des Webstuhls gleiten. »Ich nenne ihn Void. Er absorbiert das Licht und erzeugt das völlige Fehlen von Farbe.«
»Das ist Euer Werk?«, fragte Elain und warf einen Blick zurück auf den Wandbehang.
Die Frau nickte ernst. »Eins meiner neuesten Experimente. Ich wollte sehen, wie man webend die Dunkelheit erschaffen kann, und ob sie dann weiter und tiefer dringt, als es anderen Webern bisher gelungen ist.«
Da ich mich selbst im Void befunden hatte, ging mir dieser Stoff, den sie webte, unerträglich nah. »Warum?«
Ihr Blick aus grauen Augen wandte sich wieder mir zu. »Mein Mann ist im Krieg gefallen.«
Die freimütigen, offenen Worte hallten in mir nach.
Es kostete mich Mühe, ihrem Blick nicht auszuweichen, als sie fortfuhr: »Einen Tag nach der Todesnachricht habe ich damit begonnen, die Leere zu erzeugen.«
Rhys hatte die Einwohner der Stadt nicht gebeten, in seine Armeen einzutreten. Als sie bemerkte, wie verwirrt ich war, fügte die Weberin leise hinzu: »Er fand es richtig, den Kämpfenden zu helfen. Dann ist er mit anderen Freiwilligen aufgebrochen und in eine Legion vom Sommerhof eingetreten, auf die sie gestoßen sind, während sie nach Süden marschierten. Mein Mann ist in der Schlacht von Adriata gestorben.«
»Das tut mir leid«, sagte ich leise und Elain wiederholte sanft meine Worte.
Die Weberin hielt den Blick starr auf den Wandbehang gerichtet. »Ich dachte, wir würden noch tausend Jahre mehr miteinander haben.« Sie setzte den Webstuhl wieder in Gang. »In den dreihundert Jahren unserer Ehe wurde uns kein Kind beschert.« Trotz ihrer Worte bewegte sie auf wunderschöne Art unbeugsam die Finger. »Nicht einmal auf diese Weise ist mir etwas von ihm geblieben. Er ist fort und ich bin es nicht. Aus diesem Gefühl ist Void entstanden.«
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, während ihre Worte in mein Bewusstsein drangen und sie mit ihrer Arbeit fortfuhr.
Es hätte mich treffen können.
Es hätte Rhys treffen können.
Dieser außergewöhnliche Stoff – der in einem Zustand der Trauer erschaffen und verwoben worden war, den ich kurz empfunden hatte und nie wieder erleben wollte – verkörperte einen Verlust, von dem ich mir nicht vorstellen konnte, dass man jemals darüber hinwegkam.
»Jedes Mal, wenn ich es jemandem erkläre, der nach Void fragt, hoffe ich, dass es leichter wird«, sagte die Künstlerin. Wenn die Kunden sich so oft erkundigten, wie sie eben angedeutet hatte … ich hätte das nicht ertragen.
»Warum hängt Ihr es dann nicht ab?«, fragte Elain, der ihr Mitgefühl ins Gesicht geschrieben stand.
»Weil ich es nicht behalten will.« Das Schiffchen flog über den Webstuhl, als hätte es ein Eigenleben.
Obwohl sie äußerlich ruhig war und die Fassung wahrte, strahlte ihre Qual geradezu in den Raum hinein. Ich als Daemati könnte ihren Kummer vielleicht mit ein paar wenigen Berührungen lindern, sodass sie weniger leiden musste. Ich hatte das noch nie für jemanden getan, aber …
Aber ich konnte es nicht, wollte es nicht. Damit würde ich eine gewisse Grenze überschreiten, auch wenn es mit den besten Absichten geschah.
Außerdem hatte sie aus ihrem Verlust und ihrer unendlichen Traurigkeit etwas geschaffen. Das durfte ich ihr nicht nehmen, selbst wenn sie mich darum bäte.
»Und der Silberfaden?«, fragte Elain. »Wie habt Ihr den genannt?«
Als die Weberin erneut den Webstuhl anhielt, bebten die farbigen Stränge. Sie sah meiner Schwester in die Augen und versuchte diesmal erst gar nicht zu lächeln. »Ich nenne ihn Hoffnung.«

Das Buch bei Amazon:

Hier findet ihr die Autorin im Netz.

Verpasse keine neue Rezension, melde dich hier zum Newsletter “Götterfunkeln” an.