Wesenskunde

Alles, was Sie wissen müssen, um eine Reise nach Philian zu überleben.

Vorlesungen im Fach "Philian-Kunde"

Suchen Sie Informationen zu einer bestimmten Spezies in Philian?

Klicken Sie auf den entsprechenden Namen und Sie gelangen direkt zu der entsprechenden Vorlesung.

alphabetisch geordnet

nach Vorlesungen geordnet

  1. Vorlesung
  2. Vorlesung
  3. Vorlesung
  4. Vorlesung
  5. Vorlesung
  6. Vorlesung
  7. Vorlesung
  8. Vorlesung
  9. Vorlesung
Herzlich Willkommen zu Ihrer ersten Vorlesung auf der einzig wahren Hochschule für den Umgang mit übernatürlichen Wesen. Als weltweit einzige Expertin für Philian bin ich der Einladung Ihrer hochverehrten Direktorin Jacqueline Sprey gerne gefolgt und bereite Sie auf die Abschlussprüfung in »Philian-Kunde« vor. Reisewillige in dieses ferne Planetensystem müssen die Prüfung mit mindestens vier von fünf Sternen abschließen, bevor sie den Zeitstrudel nach Philian betreten dürfen.

1. »Meide alles, was tot ist!«

Ich beginne mit Naarija, dem Feuerland. Wie Ihnen bekannt sein dürfte, handelt es sich dabei um die Südhälfte des Planeten Samiela, dem Kind zweier mächtiger Götter.

Vom All aus sieht dieses Land gelb aus, denn Wüstenlandschaften stellen den größten Teil des Königreiches dar, doch gibt es auch Sumpflandschaften, hohe Berge, mit tiefen Schluchten durchfurchte Hochebenen und Waldlandschaften.

In allen siebzehn Fürstentümern Naarijas gilt eine Regel:
»Meide alles, was tot ist«!
Warum? Ganz einfach: weil es die Aakil’gha’i’schah anzieht! Dieses Wort ist der Landessprache entnommen und bedeutet so viel wie: »Seelenfresser«. Um Mitternacht schwärmen diese speicheltriefenden Bestien aus und fressen alles, was tot ist.

Aakil'gha'i'schah, die Seelenfresser Naarijas

Wenn Sie nun denken, dass Sie das nicht bekümmern muss, da sie ja leben und damit nicht in das Beuteschema der Tiere passen … das kann sich schnell ändern, wenn Sie einem Aakil’gha’i’schah begegnen!

Bitte glauben Sie nicht, dass Sie eine geschlossene Tür schützen könnte! Die Aakil’gha’i’schah durchdringen Wände und Türen, auch dicke Steinwände, ohne irgendwelchen Schaden zu hinterlassen. Es gibt keinen Ort, an den sie nicht gelangen könnten, und das ist auch gut so. Wie sollten sie sonst ihre Arbeit verrichten?

Die einzige Möglichkeit, sich vor den Aakil’gha’i’schah zu schützen ist, ihnen keinen Grund zu geben, in Ihre Nähe zu kommen. So verbrennen die Bewohner des Landes ihre Toten vor den Toren der Stadt, desgleichen jede abgestorbene Pflanze, jedes verendete Tier.

Wie Sie sich vorstellen können, ist auch die Vorratshaltung von Fleisch in Naarija recht schwierig. Geschlachtete Tiere müssen sofort verarbeitet werden und durch die Beigabe von Gewürzen und Kräutern unkenntlich gemacht werden.

In den Wäldern Naarijas finden sie keine umgestürzten oder vermodernden Bäume, in den Wüsten keine ausgebleichten Gerippe von Tierkadavern und in den Städten ganz gewiss keine Gräber. Friedhöfe sind im Land der Seelenfresser ein Fremdwort, Sie wissen nun auch, warum.
Ich hoffe, Sie haben fleißig mitgeschrieben. Für alle noch einmal die wichtigste Regel in Naarija:

»Meide alles, was tot ist!«

Ich danke Ihnen für Ihr Interesse, wir sehen uns in der nächsten Vorlesung wieder.

Herzlich Willkommen zu Ihrer zweiten Vorlesung in »Philian-Kunde«

2. »Ehre die Dunkelheit!«

In Naarija gibt es keinen Strom. Sie werden also nicht in Versuchung geführt werden, einen Lichtschalter zu betätigen, um daraufhin am lebendigen Leibe zu verfaulen.

Doch lassen Sie sich bitte auch niemals dazu hinreißen, ein romantisches Abendessen bei Kerzenschein auf ihrer Veranda veranstalten zu wollen. Es wäre Ihre letzte Mahlzeit!

Licht in der Nacht erweckt den Zorn der Dhikras. Dann stürzen sich diese Wächter der Dunkelheit auf den Frevler, der es wagte, die Nacht zu entehren. Den Biss eines Dhikras hat noch nie jemand überlebt. Auch von den Studenten meiner letzten Vorlesung in Australien konnte keiner gerettet werden. Der Gestank des verfaulenden Fleisches war derartig penetrant, dass die ganze Universität abgefackelt werden musste, um einer weiteren Ausbreitung der Seuche entgegen zu wirken.

Sie werden verstehen, dass ich diesmal kein Anschauungsmaterial mitgebracht habe.

 

Gegen das Gift der Dhikras ist kein Kraut gewachsen, das Fleisch rund um die Bisswunde verfault. Selbst eine chirurgische Reinigung der Bissstelle, ja nicht einmal das sofortige Amputieren des betroffenen Körperteils, kann diesen Prozess stoppen.

Wie ist das möglich? Nun, das Gift dieser Tiere wird nicht in der Wunde, sondern in der Erinnerung des Opfers gespeichert. Von dort aus vergiftet es unaufhörlich den Körper bis nach wenigen Stunden der Tod eintritt.

Der Name dieser Kreatur weist auf den geheimnisvollen Zusammenhang hin:

ذِكْرَى = Erinnerung

Naarij, die meinen ihr Tagewerk auch noch nach Einbruch der Nacht fortsetzen zu müssen, verhängen ihre Fenster, so dass kein Lichtschimmer nach draußen dringt. Für weniger diffizile Tätigkeiten reicht das helle Licht der Sterne jedoch völlig aus. Einen Mond gibt es in Naarija nicht, doch ab und an leuchtet einer der anderen Planeten Philians am Himmel, wenn er gerade von der Sonne angestrahlt wird.

Dhikra-Opfer müssen verbrannt werden, da das Wundsekret ihrer verfaulenden Leiber hochansteckend ist. Wie die Geschichte Naarijas zeigt, bringt das Gift sogar Rumudh um. Mit dieser Spezies werden wir uns das nächste Mal beschäftigen.

Ich hoffe Sie haben wieder mitgeschrieben und die zweitwichtigste Regel für Naarija verinnerlicht:

»Ehre die Dunkelheit!«

Ich wünsche noch einen angenehmen Tag, wir sehen uns in der nächsten Vorlesung.

Herzlich Willkommen zu Ihrer drittenVorlesung in »Philian-Kunde«

3. »Begegne keinem Rumudh!«

Finden Sie es unhöflich, wenn Sie jemanden grüßen, und der grüßt nicht zurück? Nun, so geht es den Rumudh auch. Nicht, dass sie zur höflichen Sorte der Urbewohner von Philians Zeitstrom gehören würden. Als Weltraumräuber fragen sie nicht lange, sondern nehmen sich, was sie begehren.

Was aber, wenn sie nicht finden, was sie suchen und der einzige Hinweis sie ausgerechnet nach Naarija führt? Sie fragen die Bevölkerung dort und erhalten keine Antwort, weil die Naarij sie weder sehen noch hören können. Also erheben die Rumudh ihre Stimme, fragen ernergischer nach, die Macht ihrer Stimme hallt im Gehirn des ahnungslosen Gegenübers, und die Naarij fallen ohne erkennbare Ursache tot um.

Wenn Sie also in Naarija weilen und plötzlich tot umfallen, wissen Sie, dass Se vermutlich einem Rumudh begegnet sind. Deswegen beherzigen Sie meinen dringenden Rat: “Begegne keinem Rumudh!”

Vielleicht wollen Sie sich den Rat noch extra notieren und als ständige Erinnerung in Ihre Hosentasche tun? An dieser Stelle Vorsicht walten zu lassen, lohnt sich wirklich!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein schönes Wochende, wir sehen uns nächste Woche wieder in der vierten Vorlesung.

Menü schließen